19. Oktober 2026
Die Mediation stellt bei rechtlichen Streitigkeiten über schiefstehende IT-Projekte eine sinnvolle Alternative zu Gerichtsverfahren dar.
IT-Projekte sind oft komplexe Gebilde aus mehreren verwobenen Verträgen und können für Auftraggeber zu Abhängigkeiten von Leistungserbringerinnen führen. Bei einem Konflikt über die vertragsgemässe Erfüllung ist ein Gerichtsverfahren unter Umständen nicht der ideale Lösungsweg. Hier kann die Mediation eine valable Alternative sein.
Raschere Lösungsfindung
In der Mediation erarbeiten die Parteien eigenverantwortlich eine Lösung für ihren Konflikt. Sie werden von einer Mediatorin oder einem Mediator als neutrale, ausgebildete Fachperson unterstützt, die den Mediationsprozess führt und strukturiert. Statistiken und Erfahrung zeigen, dass Wirtschaftsmediationen oft nur wenige Verhandlungstage für die Lösungsfindung benötigen. Dies setzt aber voraus, dass die Streitparteien ernsthaft an Verhandlungen und einer Lösung interessiert sind. Ein Gerichtsverfahren dauert demgegenüber nicht selten Jahre, insbesondere wenn die Parteien alle verfügbaren Rechtsmittelinstanzen ausschöpfen.
Parteien behalten die Kontrolle
ICT-Streitigkeiten drehen sich häufig um technische Aspekte wie Spezifikationen, Performancekriterien oder Datenmigrationen. Die Aufarbeitung solcher Sachverhalte in einem Gerichtsverfahren ist aufwendig, kostspielig und unsicher. Meist erfordert dies umfangreiche und mit entsprechend hohen Kosten verbundene Sachverständigengutachten. Zudem entscheidet das Gericht nur über das, was tatsächlich eingeklagt wurde und einklagbar ist. In der Mediation behalten die Parteien hingegen die Kontrolle über den Prozess. Sie verfügen zudem meist über das bessere technische Verständnis der Streitpunkte, sind in der Lösungsfindung frei und nicht wie ein Gericht an die gestellten Anträge gebunden.
Der technologische Wandel überholt das Verfahren
Die IT-Welt entwickelt sich in atemberaubender Geschwindigkeit fort. Bis ein Urteil über die Mangelhaftigkeit einer Software oder die Einhaltung von Service Levels rechtskräftig ist, kann die betroffene Technologie bereits veraltet sein. Das eigentliche Interesse hinter dem Konflikt, wie z.B. ein mangelfrei funktionierendes System oder ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, lässt sich mit einem Gerichtsurteil Jahre später oft nicht mehr befriedigen. Die Mediation erlaubt es, Konflikte bereits während des laufenden Projekts anzugehen und gleichzeitig die Geschäftsbeziehung zu erhalten. Ihre Vertraulichkeit schützt zudem Geschäftsgeheimnisse und die Reputation der Parteien.
Mediation mit fachkundiger Unterstützung
Im klassischen Verständnis unterbreitet die Mediatorin oder der Mediator keine Lösungsvorschläge, da die Parteien den Konflikt eigenverantwortlich lösen sollen. Gerade bei ICT-Konflikten kann es aber äusserst wertvoll sein, wenn eine Fachperson mit kombiniertem rechtlichem und technischem Know-how eine rechtliche Einschätzung zum Streitfall abgibt oder einen unverbindlichen Lösungsvorschlag unterbreitet. Eine solche Rolle müssen die Streitparteien jedoch vorgängig klar vereinbaren.
Unser Kanzleipartner Christian Leupi deckt als langjährig im IT- und Technologierecht spezialisierter Rechtsanwalt und ausgebildeter Mediator SAV diese Schnittstelle zwischen Technik, Recht und alternativer Streitbeilegung hervorragend ab, um Unternehmungen im Prozess der Konfliktlösung sach- und fachkundig zu unterstützen.
Fazit
Die Mediation ist gerade im ICT-Bereich ein besonders geeignetes Instrument zur Streitbeilegung. Sie liegt vollständig in der Kontrolle der Parteien, ist vertraulich, flexibel, in der Regel rascher als ein Gerichtsverfahren und offener für zukunftsgerichtete Lösungen. Wer bereits in den IT-Verträgen sinnvolle Eskalations- und Mediationsklauseln vorsieht, schafft damit die Grundlage, um Konflikte frühzeitig und konstruktiv zu lösen.